Die richtige Positionierung von Patienten ist von entscheidender Bedeutung, um Druckgeschwüre (Dekubitus) zu verhindern, die Mobilität zu fördern und den Komfort der bettlägerigen Person zu gewährleisten. Eine regelmäßige Positionsänderung und der gezielte Einsatz geeigneter Hilfsmittel tragen dazu bei, das Risiko von Hautschäden und weiteren Komplikationen zu minimieren. In diesem Artikel werden die wichtigsten Prinzipien und Techniken der Patientenpositionierung vorgestellt.
Allgemeine Grundsätze der Positionierung
Regelmäßige Umlagerung: Der Patient sollte alle zwei Stunden umpositioniert werden, um den Druck auf bestimmte Körperstellen zu verringern, Druckgeschwüre zu verhindern sowie die Möglichkeiten der Atmung zu verbessern.
Gleichmäßige Gewichtsverlagerung: Eine gleichmäßige Verteilung des Körpergewichts ist essenziell, um Druckstellen zu vermeiden, insbesondere an den Druckpunkten wie dem Steißbein, den Fersen, den Ellenbogen und den Schultern.
Vermeidung von Gelenksteifheit: Eine korrekte Positionierung hilft dabei, Muskel- und Gelenksteifheit zu verhindern, die durch längeres Verharren in einer Position entstehen können.
Protokollierung: Insbesondere wenn mehrere Pflegekräfte den Patienten versorgen, empfiehlt es sich, ein sogenanntes Bewegungsprotokoll (früher: Lagerungsprotokoll) zu führen.
Wichtige Positionierungstechniken
Die folgenden Positionierungstechniken wurden speziell entwickelt, um die Mobilität zu fördern, die Atmung zu erleichtern und Druckstellen zu vermeiden. Sie sind je nach den individuellen Bedürfnissen des Patienten anzuwenden:
Oberkörperhochlagerung
Ziel: Verbesserung der Atmung, z.B. bei Atemwegserkrankungen wie Asthma oder COPD.
Ausführung: Der Oberkörper des Patienten wird angehoben, während der Unterkörper flach bleibt. Der Patient wird zunächst zum Kopfende des Bettes bewegt, und das Kopfende des Bettes wird angehoben. Dies fördert die Lungenbelüftung und erleichtert das Atmen.
Besonderheiten: Ein Handtuch oder Kissen unter den Sitzbeinhöckern kann helfen, das Abrutschen des Patienten zu verhindern.
VATI-Positionierung
Ziel: Verbesserung der Lungenbelüftung und Prophylaxe von Lungenentzündungen oder Atemnot.
Ausführung: Diese Technik umfasst mehrere Varianten:
V-Position: Zwei Kissen bilden ein V, das zur Fußseite zeigt. Die Spitze des V befindet sich unter dem Kreuzbein, und die Schenkel des V ziehen sich zu den Schultern hin.
A-Position: Zwei Kissen werden so platziert, dass die Schulterblätter auf der Spitze des A ruhen, um die oberen Lungenbereiche zu belüften.
T-Position: Zwei Kissen bilden ein T, wobei der Querbalken von der rechten Schulter zur linken zieht und der Längsbalken entlang der Wirbelsäule verläuft. Diese Position dehnt den Brustkorb und fördert die Belüftung der Lunge.
I-Position: Ein Kissen wird gefaltet und entlang der Wirbelsäule des Patienten platziert. Diese Position hilft, alle Lungenbereiche zu belüften.
3. Drehdehnpositionierung (Halbmondlagerung)
Ziel: Verbesserung der Atmung und Entlastung des Brustkorbs, sowie Pneumonieprophylaxe
Ausführung: Der Patient wird auf dem Rücken liegend in eine Bogenform bewegt, indem ein Arm über den Kopf positioniert wird und das andere Bein seitlich abgelegt wird.
Besonderheiten: Diese Übung kann für 5-10 Minuten auf beiden Seiten wiederholt werden, um eine gleichmäßige Entlastung der Lungenbereiche zu fördern.
30-Grad-Lagerung
Ziel: Entlastung von Druckstellen, besonders an Steißbein und Hüften, und Verbesserung der Blutzirkulation.
Ausführung: Der Patient wird mit einem Winkel von 30 Grad nach hinten gelagert, wobei das Oberkörperteil des Bettes angehoben wird. Diese Position hilft, den Druck von den gefährdeten Stellen wie dem Steißbein zu nehmen, ohne dass die Haut unnötig belastet wird.
Besonderheiten: Achten Sie darauf, dass der Kopf des Patienten nicht zu hoch gelagert wird, da dies zu einer unnatürlichen Haltung und zusätzlichem Druck führen könnte.
90-Grad-Lagerung
Ziel: Entlastung von Druckstellen, insbesondere an den Hüften, dem Steißbein und den Schultern, sowie Förderung der Blutzirkulation.
Ausführung: Der Patient wird in eine vollständige Seitenlage gedreht, wobei der Oberkörper um 90 Grad zur Matratze gedreht wird. Das obere Bein wird in einem rechten Winkel zum unteren Bein abgewinkelt, während das untere Bein gestreckt bleibt. Ein Kissen kann zwischen den Knien und unter dem oberen Arm platziert werden, um eine stabile und komfortable Position zu gewährleisten.
Besonderheiten: Diese Position entlastet die Hüften und das Steißbein und wird besonders bei Patienten angewendet, die längere Zeit in einer Position verbringen müssen. Die 90-Grad-Lagerung kann auch bei der Prophylaxe von Druckgeschwüren an den Schultern und Hüften hilfreich sein. Achten Sie darauf, dass der Kopf des Patienten richtig gestützt wird, um eine angenehme und natürliche Kopfhaltung zu ermöglichen.
135-Grad-Lagerung
Ziel: Entlastung der Hüften und des Steißbeins, Vermeidung von Druckstellen und Förderung des allgemeinen Wohlbefindens.
Ausführung: Der Patient wird in einer leichten Seitenlage positioniert, wobei der Oberkörper in einem 135-Grad-Winkel zum unteren Bein gedreht wird. Kissen können zur Stabilisierung zwischen den Knien und unter dem Oberkörper eingesetzt werden.
Besonderheiten: Diese Position ist besonders wirksam, um den Druck auf das Steißbein und die Hüften zu verringern, was das Risiko von Dekubitus minimiert.
Rückenpositionierung (Supine Position)
Ziel: Entlastung der Rückenmuskulatur und der Gelenke.
Ausführung: Der Patient liegt auf dem Rücken, wobei Kopf, Schultern und Becken in einer Linie ausgerichtet sind. Ein Kissen unter den Knien sorgt für eine Entlastung des unteren Rückens. Kleine Kissen oder Polster können unter den Armen und Beinen platziert werden, um eine stabile Position zu gewährleisten und Druckstellen zu vermeiden.
Besonderheiten: Achten Sie darauf, dass die Füße nicht durch Laken oder Decken fixiert werden, um eine natürliche Fußstellung zu bewahren.
Bauchlage (Prone Position)
Ziel: Verbesserung der Lungenbelüftung und Förderung der Entspannung des Körpers.
Ausführung: Der Patient wird in Bauchlage positioniert, wobei der Oberkörper leicht erhöht wird, um den Kopf freizuhalten. Diese Technik wird oft in der Intensivpflege verwendet, um die Belüftung der Lunge zu verbessern.
Besonderheiten: Diese Position ist nicht für alle Patienten geeignet, insbesondere nicht für solche mit Atemnot oder Gelenkproblemen.
Mikrolagerungen
Ziel: Minimierung der Scherkräfte und Vermeidung von Druckstellen.
Ausführung: Mikrolagerungen beinhalten kleine, regelmäßige Positionswechsel, bei denen das Körpergewicht in winzigen Schritten von einer Stelle auf die andere verschoben wird, um Druckstellen zu vermeiden. Ein kleines Handtuch oder Polster wird regelmäßig unter den Körper des Patienten geschoben, um die Position leicht zu ändern. Übliche Intervalle sind alle 30-60 Minuten.
Besonderheiten: Besonders nützlich bei Patienten, die nachts oder mit eingeschränkter Bewegungsfähigkeit regelmäßig umpositioniert werden müssen.
Positionsunterstützung
Ziel: Unterstützung der Position und Vermeidung von schädlichen Scherkräften.
Ausführung: Bei der Positionsunterstützung kommen Hilfsmittel wie spezielle Kissen, Schaumstoffrollen und Keile zum Einsatz, um den Patienten in der gewünschten Position zu stabilisieren und gleichzeitig Druckstellen zu vermeiden. Diese Technik wird oft in Kombination mit anderen Positionierungstechniken angewendet.
Besonderheiten: Achten Sie darauf, dass die Hilfsmittel regelmäßig geprüft und gereinigt werden, um eine hygienische Anwendung sicherzustellen.
Fersenschoner und Ellenbogenschoner
Ziel: Verhinderung von Druckstellen an empfindlichen Stellen wie Fersen und Ellenbogen.
Ausführung: Spezielle Polster werden unter die Fersen und Ellenbogen des Patienten gelegt, um den direkten Druck zu verringern und Hautschäden zu verhindern.
Besonderheiten: Diese Schoner sollten regelmäßig überprüft und angepasst werden, um optimalen Schutz zu gewährleisten.
Vermeidung von Spitzfuß
Ein Spitzfuß, bei dem der Fuß in einer unnatürlichen Position bleibt (z.B. mit dem Fußrücken nach unten), kann durch falsche Positionierung und mangelnde Mobilisierung entstehen. Besonders bei immobilen Patienten kann dies zu Einschränkungen in der Beweglichkeit führen.
Prävention: Die Füße sollten in einer neutralen Position gehalten werden, z.B. mithilfe von Schaumstoffkeilen oder speziellen Fußstützen, die das Abknicken der Fußgelenke verhindern. Beim Lagern auf dem Rücken sollten die Füße nicht durch Bettlaken oder Decken fixiert werden, sondern mit weichen Hilfsmitteln in einer natürlichen Position gehalten werden.
Hilfsmittel zur Unterstützung der Positionierung
Weichlagerungskissen: Diese Kissen (z.B. Schaumstoffkissen) sorgen für eine gleichmäßige Druckverteilung und verhindern Druckstellen.
Positionierungsrollen: Diese können unter den Hüften, Rücken oder Armen platziert werden, um eine optimale Position zu gewährleisten.
Spezielle Matratzen: Weichbett- oder Luftmatratzen, die eine druckentlastende Wirkung haben, können das Risiko von Dekubitus erheblich verringern.
Fußstützen und Keilkissen: Diese helfen, den Spitzfuß zu vermeiden, indem sie die Fußgelenke in einer natürlichen Position halten.
Fazit
Die richtige Positionierung von immobile Patienten ist eine essentielle Maßnahme zur Prävention von Dekubitus und anderen Komplikationen. Durch regelmäßige Positionswechsel, den gezielten Einsatz geeigneter Hilfsmittel und eine kontinuierliche Beobachtung der Hautgesundheit können Druckstellen effektiv verhindert und das Wohlbefinden der Patienten gefördert werden. Pflegekräfte sollten besonders bei Patienten, die längere Zeit in der gleichen Position verbringen müssen, auf regelmäßige Umpositionierungen und eine korrekte Hautpflege achten, um Hautschäden zu vermeiden.