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Narbenpflege

Wie müssen Narben für eine verbesserte Heilung behandelt werden?

Vor über einem Jahr aktualisiert

Jede Verletzung der Haut hinterlässt Spuren – in Form von Narben. Ist eine Verletzung nur oberflächlich oder klein, fallen diese Narben oft kaum auf. Ist aber eine große Fläche der Haut betroffen oder die Verletzung reicht bis in tiefe Hautschichten, können deutlich sichtbare Narben bleiben. Jeder Mensch geht anders mit seinen Narben und deren Behandlung um.
Eine Narbenbehandlung zielt daher nicht nur auf die Zurückgewinnung von Beweglichkeit, sondern auch auf die Wiederherstellung der Ästhetik ab. Deshalb ist es wichtig jede Narbe zu behandeln, um die Heilung und die Narbenqualität möglichst positiv zu beeinflussen.


Wie entstehen Narben?

Wird unsere Haut verletzt (durch Unfälle, Operationen oder Krankheiten) versucht unser Körper, diese Beschädigungen zu reparieren, jedoch oft nicht mit der gleichen Funktionsfähigkeit wie vor der Verletzung. Dies gelingt nur, wenn keine weiteren Begleiterkrankungen vorliegen, die eine Reparatur der Haut erschweren können. Bei oberflächlichen Verletzungen, die nur die Oberhaut betreffen, können Wunden komplett und ohne Spuren abheilen. Solche Verletzungen der Oberhaut sind zum Beispiel Sonnenbrände oder auch oberflächliche Schürfwunden.

Sind tiefere Hautschichten betroffen, wie dies z. B. bei Operationen der Fall ist, kommt es nach den verschiedenen Phasen der Wundheilung zur Narbenbildung.

Der Wundheilungsverlauf ist abhängig von Art, Größe und Tiefe einer Wunde.

Eine frische Wunde schließt sich zunächst mit provisorischem, wenig stabilen Granulationsgewebe. Danach wachsen Fasern von Kollagen in das Granulationsgewebe ein. Die frische Narbe ist zunächst auf Grund von einer erhöhten Blutzufuhr rot und erhaben. Nach einiger Zeit (ca. 2-4 Wochen) geht die Durchblutung zurück und das Kollagen zieht sich zusammen. Die Narbe sinkt ein, wird weicher und blasser. Nach ungefähr zwei Jahren ist die Bildung der Narbe abgeschlossen. Aber auch danach kann eine Narbe ihr Aussehen verändern.

Die folgenden Faktoren beeinflussen bei der Entstehung einer Narbe ihre Größe, Form und Aussehen:

  • Größe und Art der Wunde,

  • Lage der Wunde (an Stellen mit erhöhter Hautspannung bilden sich verstärkt Narben),

  • Wundhygiene und Wundheilung (Infektionen und eine gestörte Wundheilung führen zu verstärkter Bildung von Narben),

  • Alter (in jüngerem Lebensalter ist Narbenbildung stärker als in höherem Alter),

  • Medikamenteneinnahmen und Begleiterkrankungen,

  • Ernährungszustand und Immunstatus,

  • Narbenpflege.


Welche Formen von Narben gibt es?

Am Ende der Heilung einer Wunde ohne Störungen und Komplikationen bilden sich meist flache, blasse und weiche Narben. Normalerweise verursachen diese keine Beschwerden, wie Rötungen, Verwachsungen und Juckreiz. Andere Verletzungen, vor allem tiefe und große Wunden, verheilen mit großen, manchmal auffälligen Narben.

Durch Störungen in der Wundheilung kann es auch zu krankhaften Narbenbildungen kommen.

Hierzu zählen:

  • Atrophe Narben (Narbenvertiefungen): Nach der Heilung der Wunde hat sich zu wenig Gewebe gebildet, um die Wunde ganz auszufüllen. Eingesunkene Narben sind oft auch eine Folge von Akne.

  • Narbenkontrakturen: Das Narbengewebe zieht sich stark zusammen und verhärtet. Narbenkontrakturen treten oft bei großflächigen Verletzungen, Wundentzündungen oder Verbrennungen auf. An der Narbe wirken Zugkräfte in verschiedene Richtungen. Sie sind kosmetisch nicht schön und können die Beweglichkeit, vor allem an Gelenken, einschränken.

  • Hypertrophe Narben: Narben wachsen und wuchern überschießend stark. Die Narbenbildung bleibt jedoch auf das Wundgebiet beschränkt. Hypertrophe Narben entstehen meist an der Beugeseite von Gelenken und nach Verbrennungen. Sie können sich im Verlauf auch spontan oder durch eine Narbenbehandlung zurückbilden.

  • Keloide (Narbenwucherungen): Das Narbengewebe wächst auch in die angrenzenden Hautbereiche hinein. Keloide bilden sich zunächst als gummiartige rote Bindegewebswucherung. Sie wird später dunkelrot, fest und juckt oft. Keloide bilden sich häufig bei Menschen mit dunkler Hautfarbe und meist an Schulter und Brust oder am Ohr. Die oberste Hautschicht von Keloiden ist dünn und verletzlich. Wundinfektionen erhöhen das Risiko für Keloide. Die überschießende Narbenbildung beginnt ca. drei bis vier Wochen nach der Verletzung. Die Wucherung kann über Jahre weiterwachsen. Keloide bilden sich nicht von selbst zurück.


Welche Beschwerden können bei Narben auftreten?

Große oder krankhafte Narben, wie hypertrophe Narben oder Keloide, können die folgenden Beschwerden verursachen:

  • Brennen, Jucken, Schmerzen,

  • Spannungsgefühle der Haut und des darunter liegenden Gewebes,

  • eingeschränkte Beweglichkeit,

  • geringe Belastbarkeit der Haut,

  • Ansammlung von Flüssigkeit im Bereich der Narben,

  • beeinträchtigtes Empfinden, z.B. Temperatur, Schmerz, Tastsinn

  • ästhetische bzw. kosmetische Beeinträchtigungen und psychische Belastung.

Diese Beschwerden können eine Behandlung einer Narbe erforderlich machen.


Wie erfolgt die Behandlung von Narben?

Für die Behandlung von Narben stehen verschiedene Therapien und Pflegemaßnahmen zu Verfügung. Je nach Behandlung werden sie von z. B. vom Arzt oder nach ärztlicher Verordnung durch Physiotherapeuten oder Ergotherapeuten durchgeführt.

Für einen optimalen Behandlungserfolg wird der Patient angeleitet, selbst bestimmte Massagen und Pflegemaßnahmen wie Ausstreichenden oder das Eincremen der Narbe durchzuführen.

Die Behandlungen verfolgen verschiedene Ziele:

  • Durchblutung verbessern

  • Ödeme verringern

  • Rötungen, Juckreiz und Schmerzen lindern

  • Elastizität des Gewebes verbessern

  • Verwachsungen (Kontrakturen, Adhäsionen) verringern

  • Schmerzen lindern


Welche Maßnahmen werden zur Behandlung von Narben eingesetzt?

Maßnahmen zur Behandlung von Narben sind:

  • Leichte Massagen des Gewebes neben der Narbe und an der Narbe selbst (Zugmassage) zur Verbesserung der Elastizität der Narbe. Narbensalben oder -gels können vorsichtig in das Narbengewebe einmassiert werden.

  • Ausstreichen der Narbe und des Gebiets um die Narbe mit der Hand oder einem weichen Tuch in Richtung Herz bzw. Körpermitte, um die Lymphe zu aktivieren und Ödeme zu reduzieren.

  • Querfriktionen als lokale Mobilisation der Narbe und zur Schmerzlinderung.

  • Warme Bäder und Pflege der Narbe mit einem Pflegemittel, Olivenöl oder Ringelblumensalbe.

  • Gezielte Therapien, um Schmerzen, Verwachsungen und krankhaften Narben vorzubeugen, z.B. manuelle Therapien, Dehnung oder Mobilisation.

  • Kompression mit Tapes oder Umschlägen.

  • Die Unterdruck-Vakuum-Massage (Schröpfen) wird vor allem bei kleinen lokalen Narben, z.B. am Ohr, Hals oder Gesicht angewendet. Die Narbe wird mit speziellen Saugaufsätzen sanft massiert und gedehnt.

  • Pflege der Narbe mit Silikon, um die Narbe feucht und geschmeidig zu halten. Dies soll der Entstehung von hypertrophen Narben oder Keloiden vorbeugen. Silikone sind als Gele, Cremen, Kissen, Auflagen und Folien erhältlich.

  • Zugabe ausgewählter Vitamine und Mineralstoffe, wie z. B. das Vitamin E.
    Vitamin E kann also angewendet werden, um Narben auf der Haut zu mindern. Dazu wird es in Form von Vitamin-E-reichen Ölen am besten kurz nach der Bildung der Narbe auf die saubere Haut aufgetragen. Machen Sie dies am besten jeden Abend, damit das Öl über Nacht einwirken kann.


Wie können Sie selbst zur Heilung der Narbe beitragen?

Sie können selbst einen Beitrag leisten, damit eine Narbe möglichst gut verheilt.

Narbenpflege

Nach Anleitung des Arztes oder des Therapeuten können verschiedene Pflegemaßnahmen selbst durchgeführt werden.

Dazu zählen:

  • Spannung und Zug an der Wunde vermeiden,

  • leichtes Massieren der Narbe mit kreisenden Bewegungen zur Narbe hin, ca. fünf Minuten, mehrmals täglich, hierdurch wird der Stoffwechsel im Narbengewebe angeregt,

  • Ausstreichen von Schwellungen und Ödemen,

  • Eincremen der Narbe, z.B. mit Olivenöl, Vaseline, silikonhaltiger Creme oder Ringelblumensalbe,

  • Umschläge und Kompressen mit Kamille, Lavendelöl oder Zwiebelextrakt.

Narben und Sonnenschutz

Narben haben eine blasse Farbe, da sie keine Melanozyten für die Farbbildung (Pigmentierung) enthalten. Mit der Zeit können jedoch Melanozyten in die Narbe einwandern. Wegen der fehlenden oder kaum vorhandenen Pigmentierung der Narbe hat die Haut an dieser Stelle kaum Schutz vor der UV-Strahlung. Daher ist Sonnenschutz mit geeigneten Sonnenschutzmitteln besonders wichtig, damit keine auffällige Narbe mit Hautschäden entsteht. Auch direktes Sonnenlicht und Solarien sollten für etwa sechs bis zwölf Monate nach der Wundheilung gemieden werden.


Woran kann ich erkennen, ob eine Narbe gut verheilt ist?

Frische Narben sind meist leicht erhaben und rötlich. Je länger sie heilen und je besser sie versorgt werden, desto unauffälliger und elastischer werden sie. Während der sogenannten Narbenreifung können Sie beobachten, dass Ihre Haut spannt, juckt oder empfindlich gegenüber Berührung und Sonneneinstrahlung ist.

Eine gut verheilte Narbe muss immer vom Untergrund abhebbar sein.

Wenn die Narbe mit dem Untergrund verwachsen ist, kann es zu Funktionsstörungen in dem Bereich kommen.

Man spricht dann auch von dem sogenanntem unfunktionalen Narbengewebe.

Wichtig ist es ebenso, dass Narben genügend Bewegung erhalten, um das Bindegewebe zu stärken und Kollagenfasern auszubilden.


Wann kann ich wieder mit Sport und Bewegung starten?

Einer frischen Narbe sollten Sie von vornherein wenig Zug, Druck und Dehnung aussetzten. Das heißt je nach Lokalisation der Narbe sollte der Sport für mindestens 4-8 Wochen gemieden werden.

Bei einigen Operationen muss man viel länger auf Sport verzichten, um den Heilungsprozess nicht zu gefährden. Wichtig ist, dass man dem Körper genug Zeit zur Regeneration lässt und ihn nicht zu früh belastet.

Dennoch ist es wichtig in Bewegung zu bleiben und das die Narben genügend Bewegung erhalten, um das Bindegewebe zu stärken und Kollagenfasern auszubilden.


Wann kann ich mit meiner Narbe wieder Heben und Tragen?

Der behandelnde Arzt kann das am besten beurteilen. Diese Angaben sind also nur Richtwerte, die in ihrem Fall nicht zutreffen müssen.

Hier eine Übersicht:

  • Spazierengehen: nach circa einer Woche

  • Autofahren: nach circa ein bis zwei Wochen

  • Geschlechtsverkehr haben: nach circa ein bis zwei Wochen

  • Heben und Tragen von bis zu 5 kg Gewicht: nach circa zwei Wochen

  • Joggen: nach circa sechs Wochen

  • Fahrradfahren: nach circa sechs Wochen

  • Heben und Tragen von bis zu 10 kg: nach circa sechs Wochen

Nach zwölf Wochen und komplikationslosem Verlauf gelten keine Einschränkungen mehr.


Was sollte ich tun, wenn eine Narbe schmerzt?

Gehen Sie mit Narbenschmerzen zu Ihrem behandelnden Arzt. Abhängig von der Ursache der schmerzenden Narbe wird er die Therapie wählen. Ein Narbenbruch muss operiert werden. Ist die Narbe verletzt oder entzündet, kann ebenfalls ein Eingriff notwendig sein. Antibiotika helfen gegen Infektionen.

Außerdem ist bei Narbenschmerzen eine gute Narbenpflege wichtig, um das Gewebe bei der Regeneration zu unterstützen und geschmeidig zu halten. Spezielle Narbenmassagen können helfen, die Schmerzen zu lindern und die Bewegungsfähigkeit in dem betroffenen Bereich zu fördern.


Wie lässt sich gut mit einer Narbe leben?

  • Eine ausgewogene, vitaminreiche Ernährung mit frischem Obst und Gemüse unterstützt die Heilung einer Narbe. Rauchen verschlechtert die Durchblutung und wirkt auch negativ auf die Heilung der Narben.

  • Hohe oder tiefe Temperaturen können frisches Narbengewebe reizen.

  • Auch enge Kleidung, Verletzungen oder Belastungen (starker Zug oder Druck) können frische Narben reizen.

  • Narben können durch eine kosmetische Abdeckung (Camouflage) weniger sichtbar gemacht werden. Dieses spezielle Make-up ist für verschiedene Hauttypen z. B. in Apotheken erhältlich.

  • Narben können eine ästhetische Beeinträchtigung darstellen und für die Betroffenen psychisch belastend sein. Psychotherapeuten bieten bei diesen Problemen Unterstützung.


Wohin kann ich mich wenden?

Für die Behandlung von Narben können Sie sich an folgende Stellen wenden:

  • behandelnde Ärzte im Krankenhaus, z. B. nach einer Operation oder einer schweren Verletzung oder Verbrennung,

  • Hausarzt (Arzt für Allgemeinmedizin),

  • Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten (Dermatologie),

  • Hautambulanz,

  • eine Operation kann z.B. durch einen Facharzt für Chirurgie oder für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie durchgeführt werden.


Disclaimer

Mit diesem Artikel gibt die Rehbein group und ihre verbundenen Unternehmen keinerlei Heilversprechen ab. Die Nutzung und Durchführung aller Hinweise geschieht auf Ihre eigene Verantwortung.

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